Mehr als 130 Kilometer Wegenetz im Visier
Kataster soll Auskunft über Wert und Sanierungsbedarf von Straßen geben
Von Vera Konermann
Mettingen. Kritisch begutachtet Matthias Dankbar den Asphalt auf der Bachstraße. „Hier würde ich sagen: Zustandsklasse 3“, lautet sein Urteil. Mit Kollegin Nina Schumann ist der Mitarbeiter des Ingenieurbüros Hans Tovar & Partner aus Osnabrück in diesen Wochen in Mettingen unterwegs. Die beiden nehmen jede Straße, jeden Bürgersteig, jeden Radweg und jeden Platz in Augenschein. Sie sammeln die Daten für ein Straßenkataster.
Das Datenwerk soll später unter anderem Auskunft über den geldlichen Wert der gemeindlichen Straßen, Wege und Plätze geben (siehe „Zum Thema“). Auf einem Formblatt notieren Matthias Dankbar und Nina Schumann Informationen zur Beschaffenheit der Straßen. So vermerken sie, wie breit die Fahrbahn ist, ob es Bürgersteige und Hochborde gibt, Entwässerungs- rinnen oder ob die Straße gepflastert oder asphaltiert ist. Außerdem sortieren sie nach einem Notensystem die Straßen in Zustandsklassen und machen Fotos.
„Man weiß ungefähr, wie lange eine Straße hält“, erklärt Stefan Wiermann, Projektleiter des Büros Tovar, die Vorgehensweise bei der Bewertung. Außerdem bringe ein Leitfaden Orientierung. Den hat das Büro auf der Grundlage der örtlichen Gegebenheiten und gesetzlichen Vorgaben erstellt.
Gestützt wird das Verfahren durch eine komplexe Software, in die die gesammelten Daten eingepflegt werden.
Zur Ermittlung der Straßenlängen greifen die Mitarbeiter des Ingenieurbüros auf vorhandenes Kartenmaterial zurück. Mehr als 130 Kilometer befestigte Gemeindestraßen gibt es in Mettingen, schätzt Bauamtsmitarbeiter Jürgen Breulmann. Hinzu kommen Feldwege, Fuß- und Radwege, kleine Pättken.
„Jede Straße hat über das Katasterwesen schon einen Schlüssel“, erklärt Wiermann. So sind auch namenlose Wege im Außenbereich mit einer Nummer versehen. Längere Straßen sind im Datensatz gegebenenfalls abschnittsweise unter verschiedenen Nummern zu finden. So können die Außendienstmitarbeiter per Mausklick am Laptop einlesen, in welchem Zustand eine Straße oder ein Weg in welchem Abschnitt ist. Wie viele Datensätze zugrunde liegen, vermag Projektleiter Wiermann nicht zu schätzen. „Das ist ein Datenwust“, sagt er.
Interessant wird es bei der Frage, wie viel ein Quadratmeter Straße wert ist. „Um 75 Euro pro Quadratmeter, je nachdem, ob es sich um Pflaster oder Asphalt handelt“, schätzt Jürgen Breulmann den Durchschnittswert in Mettingen. „Örtlich gibt es natürlich unterschiedliche Preise“, erläutert Wiermann. So sei es angesichts der ortsüblichen Quadratmeter - Preise natürlich ein Unterschied, ob die Straße durch das Ruhrgebiet oder Mettingen verläuft.
Errechnet wird der Neuwert der Straße. Entsprechend der Nutzungsklasse wird dieser gemindert. „Straßen haben – je nach Herstellungsart – eine Lebensdauer von 30 bis 60 Jahren“, sagt Wiermann. Damit nennt er gewisse Spielräume bei der Wertermittlung.
Das Straßenkataster soll der Gemeinde in Zukunft helfen, ihre Straßensanierung besser planen zu können. Über „zig Jahre“ könne die Gemeinde anhand des Katasters ablesen, welche Straße wann erneuert werden müsse, erklärt Wiermann. „Das sieht man heute schon am Kanalkataster“, erklärt Reinhard Kock, ein Mitinhaber des Büros Tovar & Partner.
Da kommt auf Jürgen Breulmann und dessen Kollegen noch eine Menge Arbeit zu. Sie müssen sich in den kommenden Monaten mit der Software vertraut machen. Denn das Straßenkataster sollen sie in Zukunft pflegen.
Zum Thema
Straßenkataster
Den Auslöser zur Erstellung eines Straßenkatasters in Mettingen gab das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF). Das soll bis zum Jahr 2009 für alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen eingeführt werden. Weil die Kommunen ab dann ihren Haushalt auf der Grundlage der kaufmännisch doppelten Buchführung aufstellen müssen, haben sie nun die Aufgabe, die gemeindlichen Werte zu ermitteln. Die Straßen, Wege und Plätze sind ein wesentlicher Bestandteil auf der Haben-Seite der Gemeinden. Das Straßenkataster ist eine Datensammlung, die Auskunft über den Bestand und Wert des öffentlichen Verkehrsraumes in Mettingen gibt. „Ziel ist es aber auch, ein Management der Straßen zu ermöglichen“, erläutert Stefan Wiermann, zuständiger Projektleiter des Ingenieurbüros Hans Tovar & Partner. So gibt das Kataster Auskunft über den Zustand der Straßen und Wege. Anhand dieser Daten kann die zu erwartende Restnutzungsdauer ermittelt werden. Davon verspricht sich die Gemeinde konkrete Aussagen für zu erwartende größere Sanierungsarbeiten an Straßen und Wegen. Wie Bauamtsmitarbeiter Jürgen Breulmann sagt, habe sich ein vergleichbares System für das Mettinger Kanalnetz bewährt. Anhand der Daten könne sich die Gemeinde einen Überblick über anstehende Reparaturen verschaffen. Das Straßenkataster soll Ende des Jahres fertig gestellt sein. Die Fortschreibung des Datenbestandes soll vom Mettinger Bauamt geleistet werden.
Quelle: Ibbenbürener Volkszeitung



